Barrierefrei Reisen leicht gemacht

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Komfort und Sicherheit von Anfang an

 

Autor: Christian Sujata

Reisen mit Einschränkungen scheitert selten an der Reiselust. Häufig sind es fehlende Informationen, knappe barrierefreie Angebote oder die Sorge, unterwegs ohne passende Hilfe dazustehen. Gerade deshalb beginnt ein gelungener Urlaub oft lange vor der Abfahrt: mit genauer Planung, realistischer Einschätzung und einer Versorgung, die zur Reise passt.

Barrierefrei zu reisen heißt nicht nur, ein Hotel mit Aufzug zu finden. Entscheidend ist, ob die gesamte Reisekette funktioniert: die Anreise, Wege vor Ort, Türbreiten, das Bad, Transfers sowie Lade- oder Abstellmöglichkeiten für Hilfsmittel. Fachratgeber empfehlen deshalb, Unterkünfte nicht allein nach Symbolen im Buchungsportal auszuwählen, sondern Details telefonisch zu klären – etwa zu stufenlosen Zugängen, Haltegriffen, Pflegebetten oder Verbindungstüren für Begleitpersonen. Auch die Anreise sollte früh angemeldet werden, weil Unterstützung beim Ein- und Ausstieg oder beim Transport von Hilfsmitteln oft organisiert werden muss.

Viele barrierefreie Zimmer sind nur in begrenzter Zahl verfügbar. Wer spät bucht, riskiert nicht nur Umwege, sondern mitunter die gesamte Reise. Hinzu kommen praktische Fragen: Ist ein Hilfsmittel vor Ort versichert? Welche Wege sind tatsächlich nutzbar? Gibt es einen Ausweichplan, wenn ein Aufzug ausfällt oder ein Zugang gesperrt ist? Gute Vorbereitung bedeutet deshalb auch, Routen zu prüfen, Bewertungen anderer Betroffener einzubeziehen und wichtige Unterlagen griffbereit zu haben.

Was das Sanitätshaus leisten kann

Nicht jedes Hilfsmittel, das im Alltag gut funktioniert, ist automatisch reisetauglich. Gewicht, Faltmaß, Robustheit und die Frage, ob ein Hilfsmittel mitgenommen, ergänzt oder für die Reisedauer gemietet werden sollte, spielen eine große Rolle. Genau hier kann das Sanitätshaus wichtig werden: mit einem Hilfsmittel-Check vor der Reise, mit Beratung zu Transport und Ausstattung sowie mit dem Hinweis, welche Unterlagen rechtzeitig vorliegen sollten. Denn zur regulären Versorgung gehören Beratung und Anpassung – reine Reisehilfsmittel sind dagegen oft keine Kassenleistung. Frühzeitige Klärung schafft Sicherheit. Wie das in der Praxis aussieht, erklärt Medizinproduktberater Jochen Krakor vom Sanitätshaus Perick im Interview auf den folgenden Seiten.

„Frühzeitige Planung nimmt viel Unsicherheit“

Jochen Krakor über Stolpersteine auf Reisen, passende Hilfsmittel und die Frage, warum ein guter Urlaub oft schon im Sanitätshaus beginnt.

SAM: Herr Krakor, mit welchen Menschen arbeiten Sie, wenn es um Reisen mit Handicap geht?

© Sanitätshaus Perick GmbH & Co. KG

Jochen Krakor: Besonders häufig sind es Menschen im Rollstuhl, bei denen Nutzung und Transport des Rollstuhls im Mittelpunkt stehen. Bei Menschen mit Gehbehinderung geht es oft um geeignete Mobilitätshilfen und um die Frage, welche Reiseziele wirklich barrierefrei sind. Familien mit behinderten Kindern brauchen häufig vor allem Unterstützung bei Planung und Organisation.

SAM: Welche typischen Sorgen äußern Kundinnen und Kunden, wenn sie sagen: „Ich würde ja gern reisen, aber …“?

Jochen Krakor: Oft geht es um ganz grundlegende Fragen: Sind Unterkunft, Transportmittel und Aktivitäten wirklich zugänglich? Sind die benötigten Hilfsmittel am Reiseziel verfügbar? Und was passiert im Notfall? Häufig wünschen sich Betroffene außerdem Kontakte zu Sanitätshäusern in der Nähe des Urlaubsortes und mehr Klarheit darüber, wie umfassend eine Reiseversicherung sein sollte.

SAM: Gibt es Situationen, in denen Menschen aus Angst vor Barrieren ganz auf Urlaub verzichten?

Jochen Krakor: Ja, das kommt leider immer wieder vor. Viele verzichten auf Reisen, weil sie unüberwindbare Barrieren befürchten. Dahinter stehen oft Frustration, Traurigkeit und das Gefühl, in der eigenen Freiheit eingeschränkt zu sein. Umso wichtiger ist es, offen über diese Hürden zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

SAM: Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Stolpersteine: die Anreise, die Unterkunft oder das Unterwegssein vor Ort?

Jochen Krakor: Alle drei Bereiche können problematisch sein. Besonders heikel ist oft die Anreise, weil barrierefreie Verbindungen nicht immer verfügbar oder verlässlich sind. Hinzu kommen Unterkünfte, die zwar als geeignet beschrieben werden, aber notwendige Anpassungen nicht wirklich bieten. Und vor Ort entstehen Unsicherheiten, wenn verlässliche Informationen zu Wegen, Sehenswürdigkeiten oder Aktivitäten fehlen.

SAM: Wie früh sollte die Reiseplanung beginnen?

Jochen Krakor: Möglichst früh, idealerweise drei bis sechs Monate im Voraus. Manche Unterkünfte und Transportmittel müssen speziell gebucht werden, Anpassungen brauchen Vorlauf und auch Versicherungen oder organisatorische Fragen lassen sich so in Ruhe klären. Das nimmt spürbar Stress aus der Vorbereitung.

SAM: Welche Punkte stehen am Anfang Ihrer To-do-Liste?

Jochen Krakor: Zuerst sollten die medizinischen und organisatorischen Grundlagen stimmen: Sind die nötigen Hilfsmittel verordnet? Welche Kosten übernimmt die Versicherung? Liegen ärztliche Bescheinigungen und Verordnungen griffbereit vor? Bei Auslandsreisen sollte außerdem geklärt sein, ob es bei Ein- und Ausfuhr von Hilfsmitteln Besonderheiten gibt.

SAM: Welche Hilfsmittel spielen auf Reisen eine besonders große Rolle?

Jochen Krakor: Besonders wichtig sind Mobilitätshilfen wie Rollstuhl, Rollator oder andere Gehhilfen. Je nach Situation kommen Kommunikationshilfen hinzu, etwa bei Sprach- oder Hörbeeinträchtigungen, sowie medizinische Geräte wie Sauerstoffsysteme, Insulinpumpen oder Notfalltechnik. Auch gut handhabbares Gepäck kann den Reisealltag deutlich erleichtern.

SAM: Worin unterscheiden sich Alltags- und Reisehilfsmittel?

Jochen Krakor: Reisehilfsmittel müssen häufig leichter, kompakter und transportfreundlicher sein. Gleichzeitig sollten sie robust genug sein, um häufiges Verladen oder längere Wege gut zu überstehen. In der Beratung ist deshalb wichtig, unter welchen Bedingungen ein Hilfsmittel unterwegs eingesetzt wird und welche Anforderungen an Sicherheit und Handhabung bestehen.

SAM: Viele wissen nicht, dass Hilfsmittel auch gemietet werden können. Wann ist das sinnvoll?

Jochen Krakor: Zur Miete raten wir vor allem dann, wenn ein Hilfsmittel nur für einen begrenzten Zeitraum oder für eine spezielle Reisesituation gebraucht wird. Eine eigene Versorgung ist sinnvoll, wenn das Hilfsmittel regelmäßig, dauerhaft oder sehr individuell angepasst benötigt wird.

SAM: Wie kann ein Netzwerk von Sanitätshäusern Reisende auch außerhalb des Wohnorts unterstützen?

Jochen Krakor: Ein solches Netzwerk kann sehr hilfreich sein, etwa mit Kontakten zu Anbietern am Reiseziel, mit der Organisation von Leihhilfsmitteln oder mit Hinweisen zu barrierefreien Unterkünften, Transportmöglichkeiten und Aktivitäten. Auch für mögliche Notfälle ist diese Struktur ein großer Vorteil.

SAM: Was sollten Patientinnen und Patienten bei Verordnungen und Kostenübernahme im Blick behalten?

Jochen Krakor: Wichtig ist, vor der Reise zu prüfen, ob die benötigten Hilfsmittel verordnet und von der Versicherung abgedeckt sind. Ebenso sollte klar sein, welche Kosten selbst getragen werden müssen. Versicherungsnachweise, ärztliche Bescheinigungen und andere Reisedokumente sollten griffbereit sein; bei Auslandsreisen kommt die Frage hinzu, ob es für Hilfsmittel besondere Regelungen gibt.

Das Sanitätshaus Perick wurde 1990 in Steinfurt gegründet. Mittlerweile ist der Mitarbeiterstamm auf 45 erfahrene und motivierte Kräfte im Bereich der Medizin-/Rehatechnik sowie Homecare angewachsen.
perick.de facebook.com/rehateam Perick

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