Kulturtipps
Bücher und Filme der Woche (KW 35/26)
Diese Woche verbindet die Auswahl Magie, große Gefühle und psychologische Erkenntnisse: Willow und ihre Freundinnen reisen durch Vergangenheit und Zukunft, zwei außergewöhnliche Filme erzählen von Verlust, Familie und einer geheimnisvollen Wüstenlegende. Ergänzt werden die Kulturtipps durch zwei fundierte Fachbücher über Belastungen, die über Generationen weiterwirken können – einmal durch unverarbeitete Traumata, einmal durch Verantwortung, die Kinder viel zu früh übernehmen mussten. So entsteht eine Woche zwischen fantasievoller Unterhaltung, berührendem Kino und aufschlussreicher Selbsterkundung.

Sabine Bohlmann: Ein Mädchen namens Willow 6 – Zwischenzeit
Als Willow eines Tages eine verschwommene Geigenmelodie hört, ist sie überzeugt, dass Arthur zurückgekehrt ist – jener geheimnisvolle Junge, der mit dem Element der Zeit verbunden ist. Doch die Musik verstummt plötzlich, und auf dem Waldboden liegt nur noch eine zerbrochene Geige. Gemeinsam mit Valentina, Gretchen, Lotti und Grimmoor findet Willow heraus, dass Arthur irgendwo in der Zwischenzeit gefangen ist. Um ihn zu retten, müssen die Freundinnen ihre magischen Fähigkeiten bündeln und sich auf eine gefährliche Reise durch Vergangenheit und Zukunft begeben. Dabei entdecken sie nicht nur neue Seiten ihrer vertrauten Welt, sondern erfahren auch, wie eng Zeit, Natur und Freundschaft miteinander verwoben sind.
Sabine Bohlmann gehört mit ihren fantasievollen Kinderbuchreihen zu den bekanntesten deutschsprachigen Autorinnen ihres Genres; Simona Ceccarelli verleiht Willows Welt mit ihren atmosphärischen Illustrationen ihre unverwechselbare Gestalt. Der sechste Band führt das bewährte Zusammenspiel aus Naturmagie, Spannung und starkem Zusammenhalt reizvoll weiter – ein bezauberndes Abenteuer für Kinder ab zehn Jahren und alle Fans der Reihe. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir sieben Expl.!)
Thienemann | ab 10 Jahre | Gebundene Ausgabe | 304 Seiten | 15,00 €

Vier minus drei
Barbara und ihr Partner Heli führen mit ihren Kindern Fini und Thimo ein glückliches Familienleben. Als professionelle Clowns haben sie gelernt, selbst dem Misslingen noch etwas Komisches abzugewinnen. Dann verliert Barbara durch einen Unfall plötzlich ihre gesamte Familie. Der Schock stellt nicht nur ihren Lebenswillen, sondern auch ihre bisherige Arbeit infrage: Wie soll sie andere zum Lachen bringen, wenn ihr selbst jede Leichtigkeit abhandengekommen ist? Schritt für Schritt sucht Barbara nach einem eigenen, mitunter unkonventionellen Umgang mit ihrer Trauer. Der Film begleitet sie dabei, ohne den Verlust zu beschönigen – und erzählt zugleich davon, wie ein Weiterleben möglich werden kann, ohne die Verstorbenen zurückzulassen.
Regisseur Adrian Goiginger hat die gleichnamige autobiografische Vorlage von Barbara Pachl-Eberhart mit bemerkenswerter Behutsamkeit verfilmt. Besonders Valerie Pachner trägt das Drama mit einer nuancierten, verletzlichen Darstellung; an ihrer Seite überzeugen unter anderem Robert Stadlober und Stefanie Reinsperger. Ein intensiver, aber nicht hoffnungsloser Film über Trauer, Widerstandskraft und den Mut, dem Leben erneut zu begegnen. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir drei DVD-Expl.!)
Alamode Film | DVD | 116 Minuten | Regie: Adrian Goiginger | Darsteller: Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Ronald Zehrfeld | Bonusmaterial: Interviews mit Regie, Cast und Autorin, Deleted Scenes, Trailer, Wendecover
Die Legende des Wüstenkindes
Die 14-jährige Sun hat ein erfolgreiches Buch veröffentlicht, dessen Geschichte auf einer Erzählung ihres verstorbenen Großvaters beruht. Darin wird der Junge Hadara während eines verheerenden Sandsturms von seiner Karawane getrennt und von einer Gruppe Strauße gerettet. Fortan wächst er fernab seiner Familie in der Sahara auf, begleitet von einem jungen Wüstenfuchs. Als Sun zu einer Preisverleihung in die Wüste eingeladen wird, begegnet sie dem gleichaltrigen Nomadenmädchen Kharouba. Bald entdeckt sie Hinweise darauf, dass die Geschichte ihres Großvaters keineswegs nur eine fantasievolle Gute-Nacht-Legende war. Gemeinsam folgen die Mädchen den Spuren Hadaras und geraten in ein Abenteuer zwischen Familiengeheimnis, Natur und der überwältigenden Weite der Sahara.
Gilles de Maistre inszeniert den Stoff als bildstarkes Familienabenteuer, das seine Wüstenlandschaft nicht nur als Kulisse, sondern als lebendige
erzählerische Kraft nutzt. Die Verbindung aus Tiergeschichte, Freundschaft und geheimnisvoller Spurensuche macht den Film zu einer warmherzigen Empfehlung für einen gemeinsamen Familienfilmabend. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir zwei Blu-ray-Expl. + zwei Plüschfüchse!)
Studiocanal | Blu-ray | ca. 88 Minuten | Regie: Gilles de Maistre | Darsteller: Adriane Gradziel, Kev Adams, Nahel Tran, Nahïl Bouazzaoui

Katharina Drexler: Ererbte Wunden heilen
Nicht alle seelischen Belastungen lassen sich allein aus der eigenen Biografie erklären. Unverarbeitete Erfahrungen von Eltern oder Großeltern können das Familienleben über Generationen beeinflussen – etwa durch Ängste, Schuldgefühle, Beziehungsmuster oder einen schwer fassbaren inneren Druck. Katharina Drexler erläutert, wie solche transgenerationalen Traumatisierungen entstehen und woran sie sich in der therapeutischen Arbeit erkennen lassen. Dabei geht es auch um die wichtige Unterscheidung zwischen selbst Erlebtem und übernommenen Belastungen. Anhand therapeutischer Überlegungen und konkreter Fallkonstellationen zeigt das Buch Wege auf, Familiengeschichten behutsam zu erschließen, schädigende Muster zu bearbeiten und den nachfolgenden Generationen neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Katharina Drexler ist Ärztin und Psychotherapeutin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Traumafolgestörungen und ihrer Weitergabe innerhalb von Familien. Ihr Fachbuch verbindet psychotherapeutische Präzision mit einem verständlichen, zugewandten Ton – besonders wertvoll für therapeutisch Tätige, aber auch aufschlussreich für Leserinnen und Leser, die die Wirkung ihrer Familiengeschichte besser verstehen möchten. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Klett-Cotta | 6., überarbeitete und erweiterte Auflage | Paperback | 360 Seiten | 30,00 €

Kirsten von Sydow: Parentifizierung im Erwachsenenalter
Manche Kinder übernehmen innerhalb ihrer Familie Aufgaben, die eigentlich den Erwachsenen zukämen: Sie vermitteln bei Konflikten, kümmern sich um Geschwister, trösten ihre Eltern oder fühlen sich für deren seelisches Wohlergehen verantwortlich. Kirsten von Sydow beschreibt, wie eine solche Parentifizierung entsteht und welche Spuren sie bis ins Erwachsenenalter hinterlassen kann. Chronische Überforderung, ein schwaches Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten mit den eigenen Bedürfnissen, Depressionen oder problematische Beziehungen können mögliche Folgen sein. Zugleich nimmt das Buch jene Fähigkeiten in den Blick, die Betroffene häufig entwickeln – etwa Empathie, Zuverlässigkeit und ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Forschungsbefunde sowie klinische und literarische Fallbeispiele zeigen, wie die Muster erkannt und therapeutisch verändert werden können.
Die Psychologin und Psychotherapeutin Kirsten von Sydow hat umfassend zu Bindung, Familie und systemischer Therapie gearbeitet. Ihr Buch vermeidet vorschnelle Schuldzuweisungen und betrachtet Belastungen ebenso differenziert wie vorhandene Ressourcen. Damit ist es eine fundierte Empfehlung für Fachpersonen – und zugleich eine erkenntnisreiche Lektüre für Erwachsene, die sich fragen, warum sie sich bis heute für nahezu alles und jeden verantwortlich fühlen. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Klett-Cotta | Paperback/Broschur | 256 Seiten | 39,00 €
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