Arthrose aktiv begegnen

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Was Betroffene bei Gelenkschmerzen selbst tun können – und wo professionelle Unterstützung den Unterschied macht

 

Autor: Christian Sujata

Arthrose ist weit verbreitet – und dennoch oft gut beeinflussbar. Wir zeigen, worauf es im Alltag ankommt, welche Therapiebausteine heute Standard sind und wie Sanitätshäuser Betroffene praktisch unterstützen. Auf Seite 10 folgt dazu ein Praxis-Interview mit Dorit Herder vom Sanitätshaus Multifit in Rheine.

Gelenkbeschwerden entstehen nicht immer „einfach so“. Wer früh ärztlich abklären lässt, kann Ursachen besser einordnen, Fehlbelastungen vermeiden und sich eine klare Strategie zurechtlegen. Wichtig: Bei deutlicher Schwellung, Überwärmung, Rötung oder Fieber sollte zeitnah geprüft werden, ob eine Entzündung beteiligt ist.

Alltagstaugliche Therapie heißt: mehrere Bausteine kombinieren

Arthrose lässt sich selten mit nur einer Maßnahme „wegmachen“ – aber oft gut steuern. Bewährt haben sich eine passende Dosis Bewegung und Muskelaufbau (z. B. in Physio- oder Reha-Sport), ein kluges Schmerzmanagement in Abstimmung mit der Ärztin/dem Arzt sowie Gewichts- und Alltagsmanagement. Schon kleine Veränderungen – häufiger kurze Wege, gelenkschonende Routinen, Pausen statt Totalstillstand – zahlen auf Beweglichkeit ein.

Bandagen, Orthesen, Einlagen oder Gehhilfen können dabei entlasten, stabilisieren und Sicherheit geben – vorausgesetzt, sie passen und werden korrekt genutzt. Genau hier liegt der Mehrwert einer qualifizierten Beratung: Auswahl nach Beschwerdebild, Anprobe, Anpassung und Nachkontrolle.

Wie das in der Praxis aussieht und welche Fragen Betroffene zuerst stellen, lesen Sie in unserem Expertinneninterview:

„Bewegung ist der Schlüssel – gerade dann, wenn’s weh tut.“

Dorit Herder ist Teamleitung des Sani- und Ortho-Teams sowie Ingenieurin für Orthopädietechnik im Sanitätshaus Multifit in Rheine. Im Interview erklärt sie, welche Sorgen Arthrose-Betroffene in der Beratung am häufigsten äußern, warum Bewegung ein zentraler Schlüssel bleibt – und wie individuell angepasste Bandagen und Orthesen im Alltag spürbar entlasten können.

SAM: Welche Arthrose-Betroffenen begegnen Ihnen im Sanitätshaus am häufigsten – und welche Gelenke stehen dabei besonders im Fokus?

Dorit Herder: Im Alltag sehen wir häufig Menschen mit Arthrose in den Gelenken der Hand, vor allem den Daumen- und Fingergelenken. Aber auch die Knie-, Hüft- und Schultergelenke sind oft betroffen. Die meisten davon sind zwischen 50 und 80 Jahre alt.

SAM: Wenn jemand die Diagnose „Arthrose“ frisch erhält: Welche Sorgen oder Fragen hören Sie in der Beratung als Erstes?

© Multifit Rheine GmbH & Co. KG

Dorit Herder: Viele haben Angst vor Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und dem Verlust von Selbstständigkeit. Häufig kommt die Frage: „Muss ich jetzt mit Sport aufhören?“ oder „Endet das im Rollstuhl?“ – diese Sorgen nehmen wir sehr ernst.

SAM: Viele Betroffene fürchten: „Jetzt geht’s nur noch bergab.“ Wie ordnen Sie das ein – ist Arthrose ein Ende der Beweglichkeit oder eher ein Startsignal, aktiv zu werden?

Dorit Herder: Ganz klar: Es ist ein Startsignal! Vor allem im Frühstadium ist Bewegung der Schlüssel, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Durch die Bewegung wird Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt und dadurch das Gelenk „geschmiert“.

SAM: Damit unsere Leserinnen und Leser das gut einordnen können: Was passiert bei Arthrose eigentlich im Gelenk – einmal ganz einfach erklärt?

Dorit Herder: Bei der Arthrose kommt es zu einer Schädigung des Gelenkknorpels durch Verschleiß. Normalerweise wirkt die Knorpelschicht wie ein Stoßdämpfer, der bei Belastung gestaucht wird und sich anschließend wieder ausdehnt. Im Laufe der Zeit wird die schützende Knorpelschicht im Gelenk dünner und rauer, wodurch die Knochen stärker aneinander reiben. Das Gelenk wird weniger „geschmeidig“. Ursachen dafür können Überbelastung und Fehlstellungen sein, aber auch Übergewicht oder ein Unfall können den Verschleiß beschleunigen.

SAM: Woran merken Betroffene typischerweise im Alltag, dass Arthrose „mitmischt“ – welche Beschwerden kommen am häufigsten?

Dorit Herder: Zunächst äußert sich eine Arthrose mit Steifigkeit nach Ruhephasen, Anlaufschmerzen beim Losgehen, Belastungsschmerzen beim Treppensteigen oder längerem Gehen. Später können auch Schwellungen und Bewegungseinschränkungen hinzukommen.

SAM: Sie betonen Bewegung als Schlüssel – warum ist Aktivität gerade dann wichtig, wenn die Gelenke schmerzen?

Dorit Herder: Bewegung fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gelenk. Dadurch wird die Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt und dadurch das Gelenk „geschmiert“ und der Knorpel ernährt. Zusätzlich wird die Muskulatur stabilisiert. Wer sich gar nicht bewegt, riskiert, dass die Beschwerden schneller zunehmen.

SAM: Viele denken bei Schmerzen automatisch an „Schonung“. Wie erklären Sie, dass komplette Schonung oft genau das Gegenteil bewirkt?

Dorit Herder: Schonung führt zu Muskelabbau und weniger Stabilität. Dadurch wird der Knorpel stärker belastet und die Schmerzen nehmen zu. Wir sagen: „Nicht komplett schonen, sondern gezielt und intelligent bewegen.“

SAM: Welche Bewegungsarten empfehlen Sie besonders – also gelenkschonend und trotzdem wirksam?

Dorit Herder: Radfahren, Schwimmen, Aquagymnastik und Nordic Walking sind ideal. Auch gezielte Kräftigungsübungen für die Muskulatur sind wichtig – am besten unter Anleitung.

SAM: Wenn Sie den „Baukasten“ einer modernen Arthrose- Therapie beschreiben: Welche Bausteine gehören typischerweise dazu – und wann wird eine OP überhaupt Thema?

Dorit Herder: In der Arthrose-Therapie gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die konservative Therapie, die medikamentöse Therapie und eine Operation. Die konservative Therapie enthält Bausteine wie Bewegungstherapie, Gewichtsmanagement bzw. angepasste Ernährung, physikalische Anwendungen und Hilfsmittel wie Bandagen oder Orthesen. Eine Operation ist nur der letzte Schritt, wenn nichts anderes mehr hilft. Die Behandlung der Arthrose ist immer eine Kombination, individuell abgestimmt.

SAM: Wo können Hilfsmittel im Alltag ganz konkret entlasten – welche Versorgungen kommen bei Arthrose häufig infrage?

Dorit Herder: Bandagen und Orthesen stabilisieren und entlasten das Gelenk, reduzieren Schmerzen und geben Sicherheit. Ergänzend können Gehstöcke oder spezielle Einlagen sinnvoll sein.

SAM: Einige kaufen Bandagen „von der Stange“. Worin unterscheidet sich eine gut angepasste Versorgung aus dem Sanitätshaus – ganz praktisch spürbar – von einem Standardprodukt?

Dorit Herder: Der Unterschied liegt in der Passform und Funktion. Wir messen individuell, berücksichtigen Anatomie und Beschwerden. So sitzt die Versorgung optimal und unterstützt gezielt – das kann kein Standardprodukt leisten.

SAM: Was passiert durch eine Bandage oder Orthese im Alltag: Wie kann sie Schmerzen reduzieren und gleichzeitig Sicherheit bei Bewegung geben?

Dorit Herder: Sie stabilisiert das Gelenk, verteilt die Belastung besser und gibt ein sicheres Gefühl bei Bewegung. Das reduziert Schmerzen und fördert Aktivität – ein wichtiger Schritt gegen Schonhaltung.

SAM: Nehmen Sie uns kurz mit hinter die Kulissen: Wie läuft eine Versorgung im Sanitätshaus ab – vom ersten Gespräch bis zur Nachkontrolle?

Dorit Herder: Zuerst klären wir die Beschwerden und Ziele. Dann messen wir das Gelenk, wählen das passende Produkt und passen es individuell an. Bei komplexen Versorgungen fertigen wir sogar maßgeschneiderte Lösungen. Danach folgt die Einweisung und Nachkontrolle.

SAM: Braucht es dafür immer ein Rezept – oder lohnt sich auch ein unverbindliches Beratungsgespräch ohne Verordnung?

Dorit Herder: Ein Rezept ist für die Kostenübernahme wichtig, aber eine Beratung lohnt sich immer. Viele Patienten kommen zunächst unverbindlich, um sich über Möglichkeiten zu informieren.

SAM: Zum Schluss: Welchen Mutmach-Satz möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?

Dorit Herder: Arthrose ist kein Stillstand – mit der richtigen Bewegung und Unterstützung können Sie aktiv und selbstbestimmt bleiben.

SAM: Frau Herder, vielen Dank für dieses sympathische, informative Gespräch.

Die Multifit Rheine GmbH & Co. KG ist ein familiengeführtes Sanitätshaus mit Sitz in Rheine, gegründet 1998. Mit rund 45 Mitarbeitenden bietet das Unternehmen auf über 400 m² ein umfassendes Leistungsportfolio rund um Reha-Technik, Sonderbau für Kinderversorgungen, Sanitätshaus, Home-Care und Orthetik.
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