Buchtipps
Bücher der Woche (KW 32/26)
Diese Woche führt die Auswahl durch sehr unterschiedliche Wissens- und Erfahrungswelten: Das Römische Reich wird anhand konkreter Lebensgeschichten lebendig, Joachim Ringelnatz und Ise Gropius erscheinen in überraschenden Rollen als bildender Künstler und Bauhaus-Chronistin. Zwei historische Spurensuchen führen nach Südamerika und ins Zweistromland, während ein großes religionsgeschichtliches Werk das vormoderne Europa erschließt. Den Abschluss bilden zwei praxisnahe Bücher über kreative Denkfreiheit und schwierige, häufig verdrängte Fragen in der Versorgung von Menschen mit Demenz.
Römer – Gesichter eines Weltreichs
Dieser reich bebilderte Band entwirft ein vielschichtiges Panorama des Römischen Reiches und zeigt es als weit verzweigtes Netzwerk, in dem Menschen, Waren, Religionen und Ideen

ungen über überwiegend fiktive, historisch jedoch plausibel gestaltete Personen – von der Hebamme bis zum Tierkämpfer. So erscheint Rom nicht nur als imperiale Macht, sondern als Lebenswelt voller sozialer Gegensätze, Begegnungen und Konflikte.
Romy Heyner, Jennifer Morscheiser und Stefan Reuter haben Beiträge zahlreicher Fachleute zu einem verständlichen Gesamtbild zusammengeführt. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Fundierung, historischen Figurenporträts und rund 200 Abbildungen macht das Buch zu einer besonders zugänglichen Empfehlung für alle, die die Antike nicht nur über Kaiser und Feldzüge kennenlernen möchten. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Hirmer Verlag | Herausgegeben von Romy Heyner, Jennifer Morscheiser, Stefan Reuter | Hardcover | 256 Seiten, 200 Abb., 290 x 250 mm | 40,00 €

Erika Fischer, Stephan Dahme: „Es hat sich selbst aus mir gemalt“ – Joachim Ringelnatz als Maler
Joachim Ringelnatz ist vor allem als Dichter, Kabarettist und Schöpfer skurriler Verse bekannt. Dieser Band rückt dagegen sein lange vernachlässigtes malerisches Werk ins Zentrum. Zu Lebzeiten wurden seine Bilder gemeinsam mit Arbeiten von Otto Dix und George Grosz gezeigt; später diffamierten die Nationalsozialisten sie als „entartete Kunst“, viele Werke gingen verloren. Die erhaltenen Gemälde und Zeichnungen bewegen sich zwischen Neuer Sachlichkeit und Surrealismus und offenbaren eine Bildwelt, die ebenso poetisch, eigenwillig und bisweilen unheimlich wirkt wie Ringelnatz’ Literatur.
Die Herausgeberinnen und Herausgeber rekonstruieren eine fast vergessene Seite des berühmten Schriftstellers und erweitern damit den Blick auf sein Gesamtwerk. Entstanden ist ein kompakter, hochwertig ausgestatteter Kunstband, der Ringelnatz-Kenner überraschen und zugleich neugierigen Leserinnen und Lesern einen ungewöhnlichen Zugang zur Kunst der Weimarer Republik eröffnen dürfte. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Hirmer Verlag | Hardcover | Herausgegeben von Erika Fischer, Stephan Dahme, Karsten Müller | 128 Seiten, 50 Abb., 245 x 200 mm | 30,00 €

Ise Gropius: Tagebuch 1924–1928 – Eine Bauhaus-Chronik
Ise Gropius hält in ihrem erstmals veröffentlichten Tagebuch entscheidende Jahre der Bauhaus-Geschichte fest: den erzwungenen Abschied aus Weimar, den Umzug nach Dessau, den Aufbau der neuen Schule sowie die Eröffnung des Bauhaus-Gebäudes und der Meisterhäuser. Zwischen privaten Beobachtungen, Festen, Ausstellungen und politischen Auseinandersetzungen begegnen den Leserinnen und Lesern zahlreiche Protagonisten der internationalen Avantgarde. Fotografien aus privaten Alben ergänzen diese unmittelbare Innensicht auf eine Institution, die Kunst, Design und Architektur dauerhaft verändern sollte.
Ise Gropius war weit mehr als die Ehefrau des Bauhaus-Gründers Walter Gropius: Als kluge Beobachterin, Netzwerkerin und Mitgestalterin dokumentierte sie das Geschehen aus der Perspektive einer selbstbewussten „Neuen Frau“. Astrid Bähr und Adriana Kapsreiter haben das Zeitdokument herausgegeben und zugänglich gemacht – eine außergewöhnliche Lektüre, die Bauhaus-Geschichte persönlich, lebendig und überraschend nah vermittelt. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Hirmer Verlag | Herausgegeben von Astrid Bähr, Adriana Kapsreiter| Softcover, Schweizer Broschur mit Leinenfälzel | 344 Seiten, 79 Abbildungen | 40,00 €

Jörg Denzer: El Dorado – Die Entdeckung der goldenen Stadt
Seit dem 16. Jahrhundert beflügelt die Legende von El Dorado die Fantasie: Berichte erzählten von einem Herrscher, der sich mit Goldstaub bedeckte, und von einem sagenhaft reichen Reich im südamerikanischen Binnenland. Jörg Denzer folgt insbesondere den Spuren des deutschen Konquistadors Philipp von Hutten, der mit seinen Gefährten im Dezember 1544 eine geheimnisvolle Stadt erreicht haben soll, jedoch sofort wieder fliehen musste. Aus historischen Augenzeugenberichten, moderner Amazonasforschung und Satellitenbildern entwickelt Denzer eine konkrete These dazu, wo diese Stadt gelegen haben könnte.
Denzer studierte Geschichte und Politikwissenschaft, promovierte an der Universität Freiburg und beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten mit indigenen Kulturen und der spanischen Konquista im Amazonasgebiet. Seine Verbindung aus Archivarbeit, Feldforschung und historischer Detektivgeschichte macht das Buch zu einer ausgesprochen spannenden Annäherung an einen Mythos, der hier nicht romantisiert, sondern anhand neuer Quellen überprüft wird. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Theiss in der Verlag Herder GmbH | Gebunden mit Schutzumschlag | 352 Seiten | 30,00 €

Jürgen Gottschlich, Nihat Gencosman: Im Zweistromland – Eine Reise durch Zeit und Raum, von Anatolien bis zum Persischen Golf
Zwischen Euphrat und Tigris entstanden frühe Städte, Reiche und Schriftkulturen – zugleich ist die Region seit Jahrzehnten von Krieg, Vertreibung und politischen Spannungen geprägt. Jürgen Gottschlich und Nihat Gencosman reisen rund 1.900 Kilometer von Anatolien bis zum Persischen Golf und verbinden historische Schauplätze mit Begegnungen der Gegenwart. Sie sprechen mit Kurdinnen und Kurden, Syrerinnen und Syrern sowie Irakerinnen und Irakern und erzählen von religiösem Extremismus, zerstörten Lebenswelten und dem schwierigen Versuch, Gesellschaften wiederaufzubauen.
Gottschlich ist Mitbegründer der taz und arbeitet seit vielen Jahren als Korrespondent in Istanbul; Gencosman bringt jahrzehntelange Erfahrung als Reiseleiter, Dolmetscher und Medienmitarbeiter mit. Ihre Reportagereise gewinnt durch diese doppelte Perspektive: journalistisch präzise, historisch kenntnisreich und durch die Fotografien zugleich unmittelbar. Ein eindrucksvoller Band für alle, die Mesopotamien jenseits der täglichen Krisenmeldungen verstehen möchten. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Theiss in der Verlag Herder GmbH | Gebunden | 256 Seiten | 26,00 €

Volker Leppin: Gottesspuren – Das christliche Europa vor seiner Entzauberung
Volker Leppin rekonstruiert die religiöse Vorstellungswelt Europas von der Spätantike bis zur Zeit um 1800. Für die Menschen der Vormoderne waren Gott, Schöpfung, Heilige und das Transzendente keine abstrakten Glaubensfragen, sondern selbstverständliche Bestandteile der Lebenswirklichkeit. Das Buch untersucht daher weniger einzelne kirchliche Institutionen als jene Mentalitäten, Konzepte und Erwartungen, die Denken, Fühlen, Herrschaft und Alltag prägten. Erst mit der Aufklärung verlor diese religiös durchdrungene Welt schrittweise ihre Verbindlichkeit.
Leppin ist Professor für Historische Theologie an der Yale University und zählt zu den profilierten Fachleuten für Spätmittelalter und Reformation. Mit diesem umfangreichen Werk legt er eine gelehrte, zugleich bemerkenswert lesbare Gesamtdarstellung vor – anspruchsvoll, aber lohnend für alle, die verstehen möchten, wie tief das vormoderne Europa von christlichen Vorstellungen geprägt war. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Verlag Herder | Gebunden mit Schutzumschlag | 656 Seiten | 38,00 €

Georg Adlmaier-Herbst, Maja Storch, Giovanna Eilers: Raus aus dem Gedankenknast
Wer grübelt, festgefahrene Probleme immer wieder durchdenkt und dennoch keine Lösung findet, steckt sinnbildlich im „Gedankenknast“. Das Autorentrio erklärt, wie kreative Ideen im Gehirn entstehen, warum innere Kritiker neue Einfälle oft vorschnell ersticken und wie sich starre Denkmuster lockern lassen. Methoden wie Embodiment, das ZRM-Wunderrad und bewusste Schemaverstöße werden durch Übungen und Reflexionsfragen ergänzt. Kreativität erscheint dabei nicht als angeborene Begabung einiger weniger, sondern als trainierbare Fähigkeit, die mehr Spontaneität und Handlungsfreiheit ermöglichen kann.
Adlmaier-Herbst, Storch und Eilers verbinden Erkenntnisse aus Neurobiologie und Persönlichkeitspsychologie mit praktisch erprobten Werkzeugen. Besonders überzeugend ist der spielerische, undogmatische Zugang: Das Buch will nicht zu künstlerischen Höchstleistungen antreiben, sondern dabei helfen, neue Perspektiven zu entwickeln und aus lähmenden Gedankenschleifen wieder ins Handeln zu kommen. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Hogrefe | Taschenbuch | 184 Seiten | 30,00 €

Stefanie Becker: Tabuthemen in der Versorgung demenzerkrankter Menschen
Dieses interprofessionelle Fachbuch richtet den Blick auf Situationen, über die im Versorgungsalltag oft nur ungern gesprochen wird. Würde und Autonomie, Intimität und Sexualität, Sterben, Gewalt, Scham und Ekel können Fachpersonen ebenso wie Angehörige vor schwierige ethische und praktische Entscheidungen stellen. Die Beiträge untersuchen, wie institutionelle Strukturen, Routinen und gesellschaftliche Erwartungen Sprachlosigkeit fördern, und berücksichtigen unterschiedliche Bereiche – von Hausarztpraxen und Pflegeeinrichtungen bis zu Logopädie, Ergotherapie und Bewegungstherapie.
Stefanie Becker versammelt Beiträge aus Medizin, Pflege, Therapie, Gerontologie und Ethik und schafft dadurch einen bewusst vielstimmigen Zugang. Der Band verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er sensible Fragen weder skandalisiert noch beschönigt, sondern konkrete Impulse für einen respektvollen, reflektierten Umgang mit verletzlichen Menschen gibt – eine wichtige Lektüre für Fachkräfte in Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen. (Auf der SAM-FACEBOOKSEITE verlosen wir ein Expl.!)
Hogrefe | Taschenbuch | 270 Seiten | 35,00 €
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