Wenn die Venen schwächeln

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Kompression als wirksame Unterstützung

 

Autor: Christian Sujata

Schwere, müde Beine, geschwollene Knöchel oder sichtbare Äderchen: Venenprobleme beginnen oft schleichend und werden deshalb leicht unterschätzt. Gerade im Sommer, bei langem Sitzen oder in der Schwangerschaft werden Beschwerden oft zunächst auf Alltag oder Wärme geschoben. Dabei kann frühe Unterstützung viel bewirken.

Medizinische Kompressionsstrümpfe fördern den Rückfluss des Blutes, entlasten die Beine und können Beschwerden deutlich lindern. Wichtig ist aber, dass sie richtig ausgewählt, exakt vermessen und alltagstauglich erklärt werden. Denn wer früh reagiert, kann oft verhindern, dass aus ersten Beschwerden ein dauerhaftes Problem wird. Wir haben uns beim Sanitätshaus reha team Betzlbacher umgehört und mit fünf Expertinnen darüber gesprochen, woran Sie Warnzeichen erkennen, wie moderne Kompression heute aussieht und warum guter Sitz wichtiger ist als jedes Vorurteil.

SAM: Welche Sätze hören Sie zu Beginn eines Beratungsgesprächs
besonders oft?

Selina Kraus: Sehr oft hören wir: „Meine Beine sind abends dick und geschwollen“ oder „Sie fühlen sich schwer und müde an“. Viele kommen auch nach einer Operation, einer Thrombose oder in der Schwangerschaft zu uns und fragen ganz praktisch: „Wie bekomme ich diese Strümpfe überhaupt an?“

SAM: Besenreiser gelten oft als rein kosmetisch. Können sie trotzdem ein Warnsignal sein?

Vanessa Meyer: Ja, durchaus. Besenreiser können ein frühes sichtbares Zeichen einer Venenschwäche sein. Sie entstehen oft durch erhöhten Druck im Venensystem und können darauf hindeuten, dass tieferliegende Venen bereits belastet sind.

SAM: Woran merken Laien, dass mehr hinter schweren Beinen steckt und sie das abklären lassen sollten?

Selina Kraus: Warnzeichen sind wiederkehrende Schwellungen an Knöcheln oder Unterschenkeln, ein Spannungs- oder Druckgefühl, Schmerzen, Kribbeln, Juckreiz oder nächtliche Wadenkrämpfe. Spätestens wenn solche Beschwerden häufiger auftreten oder Krampfadern dazukommen, sollte das ärztlich abgeklärt werden.

SAM: Was kann passieren, wenn man zu lange wartet?

Vanessa Meyer: Dann kann sich aus einer anfänglichen Venenschwäche eine chronische venöse Insuffizienz entwickeln. Mögliche Folgen sind dauerhafte Schwellungen, Hautverfärbungen, Verhärtungen des Gewebes, Entzündungen oder im schlimmsten Fall ein offenes Bein. Nach Thrombosen drohen zudem bleibende Schäden an den Venenklappen.

SAM: Viele fürchten, dass Kompressionsstrümpfe unbequem aussehen und sich unangenehm anfühlen. Ist das noch zeitgemäß?

Dagmar Beer: Nein. Moderne Kompressionsstrümpfe sind deutlich komfortabler als ihr Ruf. Es gibt atmungsaktive Materialien, verschiedene Qualitäten, viele Farben und inzwischen auch modische Varianten. Entscheidend ist, dass Passform und Material zur Person passen – dann sitzen die Strümpfe fest, aber nicht einschnürend.

SAM: Wie hilft ein Kompressionsstrumpf eigentlich?

Vanessa Meyer: Er übt von außen gezielten Druck auf Gewebe und Venen aus. Dadurch werden die Venen etwas verengt, die Klappen können besser schließen und das Blut wird effizienter zum Herzen zurücktransportiert. Der Strumpf heilt die Vene nicht, unterstützt das geschwächte Venensystem aber sehr wirksam.

SAM: Wie wichtig ist Bewegung, wenn man Kompressionsstrümpfe trägt?

Tanja Frank: Sehr wichtig. Kompression wirkt am besten zusammen mit Bewegung, weil dann die Muskelpumpe aktiviert wird. Besonders empfehlenswert sind Spazierengehen, Walking, Radfahren, Wandern, Schwimmen oder Venenübungen. Langes Sitzen oder Stehen ohne Bewegung ist dagegen ungünstig. Auch sehr heiße Vollbäder, Sauna oder belastende Sportarten mit vielen Sprüngen sind oft nicht ideal.

SAM: Wie läuft die Versorgung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen bei Ihnen ab?

Dagmar Beer: Meist beginnt alles mit einem Termin zum Vermessen. Wir schauen auf Rezept, Diagnose und darauf, ob ein Kniestrumpf, ein Schenkelstrumpf oder eine Strumpfhose gebraucht wird. Danach messen wir die Beine exakt aus, beraten zu Qualität und Farbe und prüfen, ob eine Seriengröße reicht oder ob eine Maßanfertigung nötig ist. Wenn möglich, geben wir die Strümpfe direkt mit, sonst bestellen wir sie und vereinbaren einen Anprobetermin.

SAM: Wie erklären Sie, wie der Strumpf richtig angezogen wird?

Andrea Radlinger: Am besten morgens direkt nach dem Aufstehen, wenn die Beine noch wenig geschwollen sind. Der Strumpf wird bis zur Ferse auf links gedreht, der Fuß richtig platziert und dann Stück für Stück nach oben gearbeitet. Wichtig ist, ihn mit flachen Händen glatt zustreichen, damit keine Falten entstehen. Am oberen Rand sollte man nicht ziehen, sonst rollt er sich leichter ein.

SAM: Welche Hilfsmittel erleichtern den Umgang mit Kompressionsstrümpfen besonders?

Tanja Frank: Sehr hilfreich sind spezielle Handschuhe, weil man damit den Strumpf besser greifen und glatt verteilen kann, ohne das Material zu beschädigen. Je nach Beweglichkeit können auch Gleitsocken oder Anziehhilfen mit Gestell eine große Erleichterung sein.

SAM: Warum ist das genaue Vermessen so entscheidend?

Dagmar Beer: Nur ein exakt angepasster Strumpf kann seine medizinische Wirkung richtig entfalten. Wir messen je nach Versorgung an mehreren Punkten am Bein. Sitzt der Strumpf nicht korrekt, ist er entweder unbequem oder er übt zu wenig beziehungsweise zu viel Druck aus – und dann hilft er nicht so, wie er soll.

SAM: Was bedeuten die verschiedenen Kompressionsklassen?

Vanessa Meyer: Die Klassen geben an, wie stark der Druck ist. Klasse 1 wird meist bei leichten Beschwerden, Besenreisern oder in der Schwangerschaft eingesetzt. Klasse 2 kommt oft bei stärkeren Krampfadern, Schwellungen oder nach einer Thrombose zum Einsatz. Höhere Klassen braucht es bei ausgeprägteren Krankheitsbildern, etwa bei chronischer Veneninsuffizienz oder Lymphödemen.

SAM: Woran erkennen Sie, ob eine Standardgröße reicht oder eine Maßanfertigung nötig ist?

Dagmar Beer: Das zeigt sich direkt beim Vermessen. Wir vergleichen die gemessenen Punkte mit den Seriengrößen. Sobald die Maße nicht passend zusammengehen, braucht es eine Maßanfertigung – denn die Versorgung muss exakt sitzen.

SAM: Wie lässt sich das Tragen gut in den Alltag integrieren – und wann brauchen die Strümpfe Ersatz?

Andrea Radlinger: Ideal ist, die Strümpfe morgens direkt anzuziehen und abends wieder auszuziehen. Viele kommen gut damit zurecht, wenn sie zwei Paar im Wechsel tragen. Wichtig ist außerdem die regelmäßige Pflege: täglich waschen, gut trocknen lassen und die Beine am besten erst nach dem Ausziehen eincremen. Bei täglichem Gebrauch sollten die Strümpfe meist nach sechs Monaten ersetzt werden; gesetzlich Versicherte haben in der Regel zweimal pro Jahr Anspruch auf eine neue Versorgung.

SAM: Viele schämen sich anfangs für Kompressionsstrümpfe. Ändert sich das?

Tanja Frank: Ja, fast immer. Sobald die Betroffenen merken, dass die Beine leichter werden, Schwellungen zurückgehen und Schmerzen nachlassen, rückt die anfängliche Unsicherheit meist in den Hintergrund. Der spürbare Gewinn an Lebensqualität überzeugt dann sehr schnell.

Das Sanitätshaus Betzlbacher ist kompetenter Ansprechpartner auf dem Gebiet der Hilfsmittelversorgung mit dem Credo „Denken und Handeln sind ganz auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden eingestellt“. Betzlbacher bietet das komplett e Sortiment eines Sanitätshauses bis hin zur Prothesenversorgung an. Heute sind rund 50 Mitarbeitende im Unternehmen beschäftigt.
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© reha team Betzlbacher OHG Sanitätsfachhandel

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