Mein Leben mit Rollstuhl
Selbstbestimmt und stark – Folge 3: Träume sind barrierefrei: Mein Leben mit Spina Bifida
Autor: Thomas Böhme

Mein Name ist Thomas Böhme und ich bin Rollstuhlbasketballer beim RSV Lahn-Dill und spiele für die deutsche Nationalmannschaft – aber meine Geschichte beginnt ganz woanders: 1991 wurde ich in Bayreuth mit Spina Bifida geboren – einer Fehlbildung der Wirbelsäule, die meine Mobilität von Anfang an einschränkte. Doch Einschränkung bedeutete für mich nie Stillstand. Im Gegenteil: Sie war der Beginn einer Reise, die mich geprägt und gestärkt hat – körperlich, vor allem aber mental.
Auch in der Schule war ich immer „besonders“. Ich besuchte eine reguläre Grundschule und später ein Gymnasium – und war dort meist das einzige Kind im Rollstuhl. Allerdings konnte ich als Kind noch einigermaßen gut mit Orthesen und Gehhilfen laufen. Vor allem in der Grundschule habe ich in den Pausen immer mit Fußball gespielt.
Vom Fußballtraum zum Rollstuhlbasketball

Sport spielte früh eine zentrale Rolle in meinem Leben. Meine Eltern haben mich immer ermutigt, mich auszuprobieren, aktiv zu sein, meinen Weg zu finden. Als Kind hatte ich den Traum, Profifußballer zu werden. Allerdings musste ich einsehen, dass ich niemals so schnell rennen oder so hoch springen werde wie die anderen Kinder. Aber der Traum Profisportler hat mich weiter angetrieben. Der Moment, in dem ich mit elf Jahren zum ersten Mal in einem Rollstuhlbasketballtraining saß, hat vieles verändert. Die Dynamik, das Teamgefühl, die Intensität des Spiels – ich war sofort begeistert. Der Sport hat mir zum einen dabei geholfen, es zu akzeptieren anders zu sein, und zum anderen hatte ich ein neues Ziel.
Mein Weg führte mich über Stationen in Bayreuth, München und Jena schließlich 2010 zum RSV Lahn-Dill – einem der erfolgreichsten Rollstuhlbasketballvereine Europas. Hier fand ich nicht nur sportliche Heimat, sondern auch die Möglichkeit, mich täglich weiterzuentwickeln – als Athlet und als Mensch. Training, Wettkämpfe, Teamgeist, internationale Turniere: Es ist ein Alltag, der viel fordert, aber auch unglaublich viel zurückgibt.
Paralympics, Medaillen und ein Kinderbuch

Ein besonderer Meilenstein: der Gewinn der Bronzemedaille bei den Paralympics in Paris 2024. Ein Moment voller Emotionen und Stolz – für mich persönlich, aber auch für alle, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Und doch ist der größte Gewinn für mich nicht die Medaille, sondern das, was mir der Sport gegeben hat: Selbstvertrauen, Struktur, Motivation – und den Glauben daran, dass Leidenschaft viel bewirken kann.
Heute teile ich meine Geschichte, weil ich anderen Mut machen möchte. Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen – mit oder ohne Behinderung. Für mich war nie entscheidend, was ich nicht kann, sondern was ich kann und erreichen will. Auch deshalb habe ich mich Ende 2024 dazu entschieden, ein Kinderbuch zu schreiben. Und so erschien im Mai dieses Jahres das Buch „Tommy und das große Basketball-Abenteuer“. Es soll Kinder dazu ermutigen, ihre Träume zu verfolgen, egal was andere sagen.
Denn: Träume sind barrierefrei. Man muss nur den Mut haben, ihnen zu folgen.
